Winter im Konstanzer Hafen

Menschen in Konstanz

Ein fotografischer Streifzug durch die Bodensee-Stadt Konstanz, Ende der 1980er Jahre: Diesen kleinen Bildband mit rund 120 Schwarz&Weiß-Porträts leistete sich der Libelle-Verlag zu seinem 10. Geburtstag. Die Fotos sind in lockeren Kontexten geordnet: „Männer auf hohen Posten“, „Frauen in der Politik“, „Machen Sie eine typische Handbewegung“, „Vom vielfältigen Nutzen des Bodenseewassers“ usf. Die Kapitelanfänge sind jeweils auch in den Sprachen der Konstanzer Partnerstädte (Tschechisch, Englisch, Italienisch, Französisch). „Menschen in Konstanz“ wird mit zunehmenden Alter immer interessanter, ist aber nur noch antiquarisch erhältlich.

A snap-shot of the Southern German city Konstanz in the late 1980s: This interesting collection of ca. 120 black & white portraits was published by the small but fine Libelle-Verlag on the occasion of its 10th birthday. The texts are also in the languages of the twin towns of Konstanz (English, Czech, French, Italian). Today only antiquarian copies of „People in Constance“ are available.

Skoltado tra la sudgermana urbo Konstanz je la fino de la 1980aj jaroj: tion interesan kolekton de proksimume 120 portretoj publikigis la eldonejo Libelle. La malgrandaj tekstoj estas ankaŭ en la lingvoj de la ĝemelurboj de Konstanz (angla, franca, itala kaj ĉeĥa). Nuntempe „Homoj en Konstanz“ estas havebla nur en libro-brokantejoj.

Konstanzer Goldhaube

 


Da wir grad in Konstanz sind – hier noch ein Artikel zum Konzilsjubiläum:

About: Anniversary of the church council 1414-1418, the only really important thing that ever happened in Konstanz.
Pri: Datreveno de la koncilio de la jaroj 1414 – 1418, ĝis nun la nura grava evento en la historio de Konstanz.
Published, Aperis: d’Lëtzebuerger Land, 13.06.2014

Päpste, Ketzer und ein bankrotter König

Konstanz erinnert an das Konzil vor 600 Jahren

Schöne Madonnen und Wandteppiche, bunte Chroniken und Reliquiare: Freunde des Mittelalters werden heuer an der Bodensee-Region kaum vorbeikommen. Mehr als 90 Museen von Lissabon bis Novgorod haben Leihgaben zur baden-württembergischen Landesausstellung geschickt, die an das Konstanzer Konzil vor 600 Jahren erinnert. Da sich in Konstanz seit diesem Weltkongress nicht mehr allzu viel getan hat und die Altstadt des einstigen Bischofssitzes mit dem Ende des Textilhandels zum Freilichtmuseum wurde, können die wertvollen Stücke sogar an einem Originalschauplatz gezeigt werden: in dem mittelalterlichen Kaufhaus am Konstanzer Hafen, in dem einst ein neuer Papst gewählt wurde.

Von 1414 bis 1418 kamen mehr als 70.000 Besucher aus der ganzen christlichen Welt, darunter Delegationen aus Kiew, Konstantinopel und Äthiopien, in das damals etwa 6.000 Einwohner zählende Städtchen. Organisiert wurde das Konzil vor allem von Sigismund von Luxemburg: Der Herrscher hatte schon allerhand Königskronen, er wollte aber auch Kaiser werden. Dafür brauchte es einen Papst, das heißt einen allgemein anerkannten Papst – und nicht drei verschiedene in Bologna, Avignon und Rom. Später ist Sigismund etwas in Vergessenheit geraten, denn mit ihm starb die Luxemburger Dynastie aus und die Habsburger fühlten sich für seinen Nachruhm nicht zuständig. In Konstanz wird Sigismund nun ausführlich gewürdigt. Immerhin war es dem notorisch bankrotten Monarchen gelungen, mit der Wahl eines neuen Papstes das Schisma der Kirche zu überwinden und sich zum Kaiser befördern zu lassen. Und er verlieh Konstanz die Blutgerichtsbarkeit, woran bis heute der rote Streifen im Stadtwappen erinnert.

Die Landesausstellung zeigt vor allem religiöse Kunst, den Annenaltar aus Barcelona ebenso wie russische Ikonen. Ein Bischofsstab wurde mit Polizeischutz von Madrid nach Konstanz gebracht: Papst Benedikt XIII. ist für viele Katalanen immer noch ein Held, weil er nach seiner Absetzung durch das Konzil noch jahrelang in einer spanischen Festung ausharrte. Keine Relikte haben die mehr als 700 „Hübschlerinnen“ hinterlassen, die den hohen Herren Wartezeiten am Bodensee verkürzten. An sie erinnert nur eine Skulptur aus Straßburg: Die „Münsterschwalbe“ ist eine der wenigen authentischen Darstellungen von Prostituierten des Mittelalters.

Der böhmische Kirchenkritiker Jan Hus, der während des Konzils als Ketzer verbrannt wurde, obwohl König Sigismund ihm freies Geleit zugesichert hatte, kommt nicht so gut weg. „Hus war ein extremer Frauenfeind“, meint Professor Harald Siebenmorgen, der als Leiter des Badischen Landesmuseums die Jubiläumsschau verantwortet. Der unbeugsame Ankläger von Luxus, Ablass-Handel und Korruption habe „eventuell schon bei der Abreise eine Märtyrer-Rolle angestrebt“, er „hätte auch viel europäische Kunst verhindert: Wenn Hus gewonnen hätte, hätte es Michelangelo etc. nicht gegeben.“ Das im Juli in Konstanz mit tschechischer Beteiligung neu eröffnete Hus-Museum wird das vielleicht anders sehen.

Siebenmorgens Sympathien liegen eher bei den Humanisten. Poggio Bracciolini etwa, ein Sekretär von Papst Johannes XXIII., suchte in den Klöstern am Bodensee antike Schriften. Aus St. Gallen schickte er unter anderem acht bis dahin in Italien unbekannte Reden Ciceros nach Hause, vor allem aber die „Zehn Bücher über die Architektur“ von Vitruv, die dann die Baukunst stark beeinflussten. In Konstanz und im benachbarten Überlingen entstanden bald darauf Palazzi im italienischen Stil. Siebenmorgen vertritt daher die These, das Konzil sei ein „Schmelztiegel der Kulturen“ gewesen und habe „die Entfaltung der Renaissance befördert“.

Begleitet wird die Landesausstellung von zahlreichen Veranstaltungen. In Konstanz gibt es Mitte Juni ein Festival zur Musik um 1400, im September ein europäisches Literaturfestival. Das Rosgartenmuseum zeigt „städtischen Alltag“ im Mittelalter; das Archäologische Landesmuseum beteiligt sich mit kleinen Plastikmännchen, das heißt, der „aufwändigsten Playmobil-Ausstellung aller Zeiten“. In Schaffhausen präsentiert das Museum Allerheiligen eine prächtige Schau zu Ritterturnieren, vor allem Rüstungen aus Wiener Sammlungen.

Das Jubiläum soll bis ins Jahr 2018 gefeiert werden. Ob das Publikum so lange durchhält? Die Teilnehmer des Konzils waren jedenfalls 1418 erschöpft. Nach fünf Jahren Ämterschacher, Mordanschlägen gegen Rivalen, Saufen und Huren auf Steuerzahlerkosten hatten sie keine Lust mehr, die Kirche zu reformieren oder sich mit den Orthodoxen zu versöhnen. Die Sachfragen, die auf dem Programm gestanden hatten, wurden ungelöst vertagt. Die beträchtlichen Schulden, die König Sigismund in Konstanz machte, sind bis heute nicht gezahlt. Ein Konzil muss man sich also ähnlich vorstellen wie eine moderne UNO-Konferenz. Oder wie ein Ausstellungsflyer schreibt: „Die Menschen des Spätmittelalters waren uns näher, als wir denken.“

Martin Ebner


 


Foto: Human traces in Constance harbor, Germany. Spuroj en haveno de Konstanz, Germanujo. Beim Hafen in Konstanz, Deutschland

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Texts of timeless beauty. Or at least some historical interest.