Japan: Kaiserliches Lob für junge Erfinder

About: Clubs for young inventors in Japan
Pri: Kluboj por junaj inventistoj en Japanujo
Sponsor of my trip to Japan,
Sponsoro de mia vojaĝo al Japanujo: Ministry of Foreign Affairs of Japan
Published, Aperis: DerTagesspiegel, 02.04.2002


Kaiserliches Lob für gute Ideen

In Schülerclubs bekommen junge japanische Erfinder ihre erste Chance

Prüfungshölle, Leistungsdruck und Erziehung zur Konformität: zu den bekannten Schlagworten, mit denen Nippons Bildungswesen bedacht wird, gehört Kreativitätsförderung nicht gerade. Dabei gibt es über ganz Japan verstreut 143 Clubs, in denen über 100.000 Jugendliche an Erfindungen basteln und sich originelle Lösungen für technische Probleme einfallen lassen. Organisiert werden die sogenannten „Erfinder-Clubs für Schulkinder“ allerdings nicht vom Erziehungsministerium, sondern von Hatsumei Kyokai, dem nichtstaatlichen „Institut für Erfindung und Innovation“.

Dieses Institut ist 1904 in Tokio von dem damaligen Handelsminister und dem Direktor des Patentamts gegründet worden. Zu dieser Zeit war die „Neuheitenverbotsverordnung“, mit der die japanische Regierung noch im 18. Jahrhundert alle Erfindungen kurzerhand untersagt hatte, schon längst vergessen. Seit 1926 veranstaltet Hatsumei Kyokai Erfinderwettbewerbe und vergibt dabei einen „Kaiserlichen Erfinder-Preis“; seit 1941 können sich findige Schulkinder um einen eigenen Preis bewerben.

„Wir sind die einzige japanische Organisation, die Gelder direkt vom Kaiser bekommt“, sagt Takashi Tanaka, Abteilungsleiter bei Hatsumei-Kyokai, stolz. „Unser Wettbewerb für Schulkinder unterscheidet sich kaum von dem für Erwachsene: Wer nach der lokalen Ausscheidung bei einer unserer Filialen in den 47 Präfekturen die landesweite Runde gewinnt, wird mit dem kaiserlichen Preis geehrt. Von den jüngsten Teilnehmern wird allerdings nur eine gute Idee und eine Zeichnung erwartet, die älteren müssen auch ein Modell ihrer Erfindung einreichen.“

Um den Erfindergeist der Jugendlichen weiter anzustacheln, gründete 1974 zum 70sten Geburtstag des Erfinderinstituts Masaru Ibuka mit Spenden von diversen Unternehmen die ersten Erfinderclubs für Schulkinder. „In Tokyo haben wir bis heute nur einen Club, dafür in anderen Präfekturen manchmal mehrere“, berichtet Takashi Tanaka. „Unser größter Club ist in Kariya: In der Toyota-Stadt unterstützen uns die Eltern und Lehrer besonders eifrig. Außer Firmen helfen auch Museen, Schulen und Gemeinden, zum Beispiel indem sie Räume und Werkstätten zur Verfügung stellen. Daher sind die Angebote der Clubs kostenlos.“

„Unsere Clubs werden von Freiwilligen betreut, meist Lehrern, Ingenieuren oder auch Konstrukteuren von Firmen“, ergänzt Tanakas Assistent Shinji Sekizuka. „Pro Club sind dreißig bis vierzig Schulkinder organisiert, in der Regel im Alter von 9 bis 14 Jahren. Im Schnitt sind ein Drittel der Mitglieder Mädchen.“ Die jungen Erfinder treffen sich meist Samstag oder Sonntag Nachmittag für ein paar Stunden zum Basteln, Erfahrungsaustausch oder Experimenten, in den Schulferien auch täglich.

Den Clubs gehe es nicht darum, aus jedem Kind einen Thomas Edison zu machen, erläutert Sekizuka: „Das Hauptziel ist, Kreativität zu fördern und bei den Jugendlichen Interesse für Naturwissenschaften und Spaß an der Technik zu wecken.“ Wenn beim Werkeln aber eine „sehr gute Erfindung“ herauskomme, helfe Hatsumei Kyokai natürlich, ein Patent zu beantragen: „Ein Beispiel der letzten Zeit ist ein spezielles Fahrrad, bei dem man während der Fahrt mit dem Rücktritt die Reifen aufpumpen kann.“

Früher sei das Erfinden einfacher gewesen, meint Takashi Tanaka: „Wir hatten keine Fernsehgeräte und keine Playstations. Deshalb mussten wir uns unsere Spielsachen immer selbst basteln. Zum Glück sind Flexibilität und Neugier aber immer noch die Haupteigenschaften von Kindern.“

Martin Ebner

Link (last update: 29.04.2014):
Hatsumei Kyokai / Japan Institute of Invention and Innovation
Homepage (nur Japanisch): www.jiii.or.jp


Zu den Schwierigkeiten von Erfindern in Europa siehe: Düsentriebs Hürdenlauf


 


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