Hotel Nirvana at Lake Sevan, Armenia

Tofa, Wichita und Ega kommen ins Internet: Dokumentation bedrohter Sprachen

About: DOBES project: documentation of endangered languages
Pri: DOBES projekto dokumentas endanĝerigitajn lingvojn
Published, Aperis: DAAD Letter, 03/2001


Tofa, Wichita und Ega kommen ins Internet

Ein Programm der Volkswagen-Stiftung dokumentiert bedrohte Sprachen

Das Ende ist absehbar: Nur noch zehn ältere Männer in Oklahoma sprechen Wichita. Von Kindern wird diese Indianersprache nicht mehr gelernt, bald wird sie ganz verschwunden sein. Rund zwei Drittel der ungefähr 6500 Sprachen, die derzeit auf der Welt gesprochen werden, sind in den nächsten ein bis zwei Generationen vom Aussterben bedroht. Unschätzbare intellektuelle Werte gehen für immer verloren.

Mit Tonband, Videokamera, Fotoapparat und Notizblock versuchen nun Wissenschaftler, wenigstens Zeugnisse der gefährdeten, meist nur mündlich übermittelten Sprachkulturen vor einem spurlosen Verschwinden zu bewahren und in einem elektronischen Archiv allen Interessierten zugänglich zu machen. Das Programm „Dokumentation bedrohter Sprachen“ wird vom Max-Planck-Institut für Psycholinguistik im holländischen Nijmegen koordiniert, die Volkswagen-Stiftung finanziert es mit rund 3,5 Millionen Mark. Aus Deutschland beteiligen sich Forscher der Universitäten Bielefeld, Kiel, Mainz, Halle und der FU Berlin.

In der Startphase wird ein Großteil des Geldes dafür verwendet, in Nijmegen eine geeignete Infrastruktur für die dauerhafte Aufbewahrung der Aufnahmen zu schaffen. Mit eigens entwickelter Software sollen alle Video-, Audio- und Textdaten zu einem virtuellen Archiv integriert werden, das über das Internet genutzt werden kann. Außerdem sind eine Reihe von Zugangs- und Urheberrechtsfragen zu klären.

Zunächst werden in der Pilotphase neun Sprachen dokumentiert. Neben dem erwähnten Wichita in den USA sind das zum Beispiel Tofa, von etwa 300 Angehörigen eines Hirtenvolks in Zentralsibirien gesprochen, und Ega, eine Kwa-Sprache von wenigen hundert Menschen an der Elfenbeinküste in Afrika. Von den über 1000 Sprachen Neuguineas wurde Teop ausgewählt, das sich auf der Insel Bougainville kaum gegen immer mehr Pidginspecher behaupten kann. Südamerika ist mit Aweti, Trumai und Kuikuro vertreten, drei Sprachen aus dem Xingu-Indianerreservat in Brasilien. Im Nordwesten Chinas schließlich werden das turkische Salar und das mongolische Monguor erfasst.

Ab März 2002 sollen weitere bedrohte Sprachen dokumentiert werden. Schließlich ist jede Sprache eine eigene Weltsicht, ein Wissensspeicher, ein Kulturschatz.

Martin Ebner

Links (last update: 23.12.2014):
DOBES Portal: http://dobes.mpi.nl/

In New York, einer Stadt mit rund 800 verschiedenen Sprachen aus aller Welt, dokumentiert die „Endangered Language Alliance“ vom Aussterben bedrohte Idiome: http://elalliance.org/


 


Foto: Where are dying languages going to? Hotel „Nirvana“ at Lake Sevan, Armenia; Kien foriras lingvoj? Hotelo „Nirvano“ apud lago Sevan, Armenujo; Wohin verschwinden Sprachen? Hotel „Nirvana“ beim Sewan-See, Armenien.

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Texts of timeless beauty. Or at least some historical interest.