Stork Benjamin

Dossier: Störche

Some 50 storks live in my parents‘ village. As they are really huge birds, the hamlet sometimes feels like Singapore airport… The brave animals fly far into Africa (for tracking data search for „Ciconia ciconia“ in www.movebank.org). Yep, I like storks.
En mia gepatra vilaĝo vivas ĉirkaŭ 50 cikonioj. Helpe de sendiletoj ni scias ke ili flugas ĝis Afrika. Mi amas cikoniojn.

1. Betten machen für die Frühjahrsbringer (Südwestpresse)

2. Überwintern im Müll. Weissstörche fliegen immer seltener nach Afrika (Neue Zürcher Zeitung)


Published, Aperis: Südwestpresse, 25.10.2008

Betten machen für die Frühjahrsbringer


Wer Störche liebt, nutzt jetzt den Winterurlaub dieser Zugvögel: Teiche anlegen, Wiesen entbuschen, Horste installieren. Meister Adebar ist nicht mehr vom Aussterben bedroht, braucht aber weiter Hilfe.

Auf diese Leistung könnte so manche Fluggesellschaft stolz sein: Max ist schon acht Mal nach Marokko ins Winterquartier gesegelt, und zwar unfallfrei. Seit 2002 brütet die Weißstörchin bei Salem im Bodenseehinterland. Geboren wurde Max 1999 in der Westschweiz, wo sie nicht nur beringt wurde, sondern auch mit einem kleinen Satellitensender behängt, der ihre Flugdaten übermittelt. Heuer hat sie vier Junge großgezogen, bevor sie Ende August in den verdienten Urlaub abflog. Im Moment pausiert sie in Spanien in einem Naturschutzgebiet bei Toledo, das ihr schon in den vergangenen Jahren gefallen hatte.

Falls kein Strommast dumm im Weg steht, es im Süden genug zu fressen gibt und sonst nichts schiefgeht, haben Weißstörche wie Max eine Lebenserwartung von bis zu 40 Jahren. Eine große Rolle spielt auch, wie vogelfreundlich die Brutgebiete sind. Zu deren Verbesserung wurde in den vergangenen drei Jahren von Liechtenstein bis Bad Saulgau viel getan: Nisthilfen wurden aufgestellt, Bäche von Beton befreit, Tümpel angelegt, Gräben entbuscht und einst trockengelegte Feuchtwiesen wieder vernässt. Diese vom Landratsamt Friedrichshafen koordinierten Maßnahmen des Interreg-Projekts „Feuchtgrünland und Storchenlebensräume zwischen Alpenrhein und Donau“ helfen auch Fröschen, Molchen, Libellen und seltenen Pflanzen.

Die Chancen stehen gut, dass von den neuen Horsten im nächsten Frühjahr Klappern zu hören sein wird. Weißstörche, die 1975 aus Baden-Württemberg beinahe verschwunden waren, sind nicht mehr akut vom Aussterben bedroht. Laut dem jüngsten „Internationalen Weißstorchzensus“ gibt es nun weltweit über 230.000 Paare, fast 40 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Die meisten der rund 4.000 deutschen Storchenpaare leben an der Elbe und sind „Ostzieher“, die über die Türkei nach Ost- und Südafrika ins Winterquartier fliegen. In Südwestdeutschland leben dagegen vor allem „Westzieher“, die über Spanien nach Westafrika segeln. Ihre Zahl hat sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt, auf über 300 Paare. Sie haben allerdings nach wie vor zu wenig Nachwuchs, um den Bestand ohne Zuwanderer aus dem Osten oder menschliche Eingriffe zu erhalten.

„Oberschwaben weist derzeit eine höhere Storchdichte auf als in den 1940er Jahren“, sagt Ute Reinhard, die Storchenbeauftragte für Südwürttemberg. Heuer hat die Biologin 57 Brutpaare registriert, 25 mehr als 2004. Sorgen bereiten ihr die steigenden Preise für Getreide und Raps: „Wenn Wiesen verschwinden, werden suboptimale Lebensräume besiedelt, bei denen ich mich manchmal frage, was dort ein Storch verloren hat.“ Besonders bei aus der Gefangenschaft freigelassenen Störchen beobachtet sie „schlechte Bruterfolge“, weil die ihre Jungen seltener füttern und schlechter gegen Kälte schützen als wilde Vögel. Ohne eigene Küken „stören dann die arbeitslosen Projektstörche ihre Nachbarn und sorgen auch dort für Brutausfall“.

Nachzucht, Füttern, Wärmeflaschen bei Eisregen und andere „Manipulationen zur künstlichen Erhöhung des Bestands“ lehnt Reinhard generell ab: „Intakte Lebensräume dürfen nicht vorgetäuscht werden.“ Roland Hilgartner, der Leiter des „Affenberg Salem“, wo jeden Tag Störche gefüttert werden, will sich das allerdings nicht sagen lassen: „Wir gaukeln nichts vor, sondern informieren über 300.000 Besucher pro Jahr über die Probleme der Störche.“ Sein Auswilderungsprojekt leiste „einen positiven Beitrag zur Population“: An jedem sechsten Brutpaar in Baden-Württemberg seien Salemer Zöglinge beteiligt.

Einig sind sich die Naturschützer, dass man heutzutage auch wilden Vögeln beim Putzen ihrer Horste helfen muss. Die Tiere schleppen nämlich so viele Plastikteile in ihr Nest, dass Wasser daraus nicht mehr abfließt. Zumindest das kann jeder für den Storch tun: keine Tüten, Gummiringe, Flaschendeckel und auch sonst keinen Müll achtlos in die Landschaft schmeißen.


Wieder an den Storch glauben (last update: 04.05.2014):

Von den Erfahrungen des Interreg-Projekts „Storchenlebensräume zwischen Alpenrhein und Donau“ können Gemeindeverwaltungen und Vogelschützer profitieren: Der Leitfaden „Storchenwiesen und -weiden“ gibt Tipps zur Verbesserung der Brutgebiete. Für den Schulunterricht wurde die DVD „Der Weißstorch“ produziert. Wo man in der Bodenseegegend staksende Vögel beobachten kann, ist auf der Internetseite des Projekts zu erfahren: www.feuchtwiesen-stoerche-bodensee.de

Wer am Familienleben der hiesigen Störche Anteil nehmen will, kommt an den Berichten der Weißstorchbeauftragen des Regierungspräsidiums Tübingen nicht vorbei: www.stoerche-oberschwaben.de Die anklickbare Landkarte dort führt zu Informationen und Fotos von allen besetzten Horsten in Oberschwaben.

Martin Ebner

⇑ up ⇑ supren ⇑ nach oben ⇑

Erste Flüge eines Sender-Storchs
Erste Flüge eines besenderten Storchs in Radolfzell (vorgestellt auf der „MS Wissenschaft 2014“)

N.B. (20.06.2015): 
Die Radolfzeller Störche sind mittlerweile auch auf Youtube zu finden, jedenfalls die evangelischen: www.ekiboe.de/index.php/2014-10-29-19-51-30/storchenvideos


Published, Aperis: NZZ am Sonntag, 28.09.2008

Überwintern im Müll

Weissstörche fliegen immer seltener nach Afrika

Meister Adebar war lange vom Aussterben bedroht. Hat er jetzt wieder Aufwind? Kurzfristig zumindest braucht man sich „um den Weissstorch wenig Sorgen machen“, findet Kai-Michael Thomsen vom deutschen Naturschutzbund. Er stellte auf einem Kongress in Radolfzell am Bodensee die Ergebnisse des jüngsten Internationalen Weissstorchzensus vor: Der derzeitige Weltbestand der eleganten Segelflieger lässt sich mit den 2004/05 erhobenen Daten auf rund 231.000 Paare hochrechnen. Bei der letzten Erhebung 1994/95 waren es noch 166.000 – es gibt nun also fast 40 Prozent mehr.

An der Vogelzählung, die seit 1934 zum sechsten Mal stattfand, beteiligten sich Naturfreunde in 31 Ländern. Allerdings mit unterschiedlichem Enthusiasmus: Während zum Beispiel die Post in ganz Weissrussland die Aktion mit eigens gedruckten Meldekarten unterstützte, wurden in der Türkei nur kleine Probeflächen abgesucht und der Rest geschätzt. Aus Iran, wo vor zehn Jahren über 2.000 Paare beobachtet wurden, kamen heuer überhaupt keine Daten. Schlechte Nachrichten hatte Thomsen aus zwei Ländern: „In Dänemark ist die natürliche Population ausgestorben. Und in Usbekistan haben sich die Storchenpaare auf 745 halbiert, weil dort die Nester von Stromunternehmen beseitigt werden.“ Ansonsten ist der Trend positiv.

Den grössten Zuwachs verzeichnen die „Westzieher“: Die Zahl der Störche, die aus Südwestdeutschland, der Schweiz und Westeuropa nach Spanien und Westafrika ins Winterquartier fliegen, hat sich mehr als verdoppelt – auf nun 52.000 Paare. In Frankreich etwa wurden 970 Paare gesichtet, drei Mal mehr. Der Bruterfolg der Westpopulation reicht jedoch nach wie vor nicht aus, um den Bestand ohne Zuwanderer oder menschliche Eingriffe zu erhalten.

Die „Ostzieher“, die aus Norddeutschland und Osteuropa über Ägypten bis nach Ost- und Südafrika kommen, haben um rund 30 Prozent auf 178.000 Paare zugelegt. Ihre Verbreitungsgrenze verschiebt sich immer weiter nach Russland. Storchenland Nummer 1 ist Polen mit 52.000 Paaren. Die Entwicklung dort ist regional unterschiedlich: ein starkes Plus im Osten, eine leichte Abnahme im Westen, wo es bereits eine intensive Landwirtschaft gibt. „Das ist ein erster Hinweis, wie es in Osteuropa weitergehen wird“, fürchtet Thomsen. „Die EU-Agrar- und Strukturpolitik wird grosse Auswirkungen haben; 40 Prozent aller Störche leben in den neuen Mitgliedstaaten der EU.“

Als Ursache für die Zunahme der Ostzieher vermutet Thomsen mehr Regen im Sahel, es könnte aber auch mehr Grünland in Osteuropa sein. Klarer sei die Lage im Westen: „Neue Nahrungshabitate, etwa Reisfelder mit Krebsen, haben die Sterblichkeit gesenkt.“ Es gebe auch immer mehr Überwinterer auf der iberischen Halbinsel, die von dort immer früher in ihre Brutgebiete zurückkehren.

„Das Zugverhalten auf der Westroute hat sich definitiv verändert“, bestätigt Holger Schulz, der für das Forschungsprojekt „SOS Storch“ Schweizer Weissstörche ins Winterquartier begleitete: „Viele ziehen gar nicht mehr so, wie wir das aus alten Lehrbüchern kennen.“ Die Vögel seien „extrem opportunistisch, was die Nahrungsaufnahme angeht“: Von Mülldeponien im Rhonetal geht es zu Mülldeponien in Spanien. Dort campieren sie oft den ganzen Winter, nach Afrika machen sie allenfalls Kurzausflüge – zu Müllkippen in Marokko. Statt Fröschen und Heuschrecken stehen nun zum Beispiel Nudeln und Brotreste auf der Speisekarte.

Storch im Spielzeugmuseum Basel
Mitteleuropäische Babys werden vom Storch gebracht (gesehen im Spielzeug Welten Museum, Basel)

Diese neue Abhängigkeit vom Menschen beunruhigt die Aktivisten von „Storch Schweiz“, erläutert Peter Enggist: „Wir möchten gern wilde Tiere haben.“ Um 1900 hatte es in der Schweiz 150 urwüchsige Storchenpaare gegeben; 1950 kein einziges mehr. In Altreu an der Aare wurden dann Jungvögel aus Nordafrika aufgepäppelt und frei gelassen. Diese „Projektstörche“ blieben auch im Winter meist in der Nähe ihrer Station. Seit 2002 gibt es wieder mehr ziehende Störche als „Nichtzieher“. Obwohl in der Schweiz keine Störche mehr ausgewildert und seit 2004 ausserhalb von Volieren auch nicht mehr gefüttert wird, nimmt ihre Zahl weiter zu. Heuer wurden 225 Brutpaare mit 467 Jungen gezählt. Im Grenzgebiet sind die Störche mit der neuen Naturschutzpolitik allerdings nicht einverstanden: Als ihnen in Kreuzlingen kein Essen mehr serviert wurde, zogen sie über den Bodensee ins deutsche Salem, wo sie jetzt am Affenberg zur Freude der Touristen jeden Tag gefüttert werden.

Wie sehr Störche verhätschelt werden dürfen, ist umstritten. Ute Reinhard, die Storchenbetreuerin von Oberschwaben, beobachtet bei aus Gehegen entlassenen Vögeln, die gut ausgeruht Horste besetzen und Wildstörche verdrängen, einen schlechteren Bruterfolg. Ohne eigene Junge „stören dann die arbeitslosen Projektstörche ihre Nachbarn und sorgen auch dort für Brutausfall“. Durch Fütterung, Horstheizungen oder Jäckchen für Kücken dürfe der Storchenbestand nicht künstlich erhöht werden, weil das intakte Lebensräume nur vortäusche. Ganz so streng sind aber nicht alle Experten. Wenn an einem Nest eine Internet-Kamera installiert ist, werde die Öffentlichkeit nicht zulassen, dass darin Störche verhungern oder erfrieren, ist Holger Schulz sicher: „Da müssen wir einfach helfen, sonst können wir als Storchenschützer einpacken.“

Martin Ebner

Für Vogel-Freunde auch interessant: Vogelforschung in Rybatschij: Paßkontrolle für Buchfinken


 


Foto: Stork Benjamin in Radolfzell, Germany. Cikonio Benjamin en Radolfzell, Germanujo.Storch Benjamin in Radolfzell, Deutschland

⇑ up ⇑ supren ⇑ nach oben ⇑

Texts of timeless beauty. Or at least some historical interest.