Restaurant-Werbung in Dublin

Prohibition: Wo ein Gesetz ist, ist auch ein Markt

About: Swiss lawyer  Valentin Landmann explains why prohibition of drugs or prostitution doesn’t work.
Pri: Svisa advokato Valentin Landmann klarigas kial prohibicio de drogoj kaj prostituado ne funkcias.
Published, Aperis: d’Lëtzebuerger Land, 30.06.2006


Blüht das Verbrechen nicht trotz, sondern wegen seiner Verfolgung?

Manager und Zuhälter, Drogenhändler und Bankiers schätzen Professionalität: Die Kunden von Valentin Landmann haben nicht gerne Mitarbeiter, die nicht rechnen können. Der Zürcher Anwalt teilt diese Einstellung seiner Klienten; Dilettanten sind ihm ein Gräuel. Besonders ärgert sich der Strafverteidiger und bekennende Freund der Biker-Gruppe „Hells Angels“ über staatlichen Pfusch: „Eine erfolgreiche Gesetzgebung zeichnet sich durch ihre Wirksamkeit aus und nicht nur durch moralische Empörung.“ Unermüdlich predigt Landmann, Verbrechen müsse als unvermeidlicher „Spiegel der Gesellschaft“ verstanden werden, als „Markt“ mit grundsätzlich gleichen Prinzipien und Abläufen wie in der übrigen Wirtschaft.

Wenn alternative Energien gefördert, die Produkthaftung verbessert oder sonst etwas in der legalen Welt geregelt werden soll, mache sich der Staat durchaus Gedanken über ökonomische Anreize und Wirkungen, staunt Landmann – ausgerechnet bei Kriminellen aber versuche man es mit Moralpredigten. Dabei sei doch gerade die Unterwelt ein weitgehend unverfälschter, knallharter Markt. Von Lustmördern und Affekttätern einmal abgesehen, hätten Verbrecher „normalerweise finanzielle Ziele“. Warum also sollten sie ihre Geschäfte „nach anderen Grundsätzen als nach ökonomischen optimieren?“

Verbote und Strafen gehen in die Ganoven-Kalkulation schlicht als Risiken ein, rechnet Landmann vor. Die oft unerwarteten Folgen dieser „Zusatzkosten“ hängen von den Eigenheiten der jeweiligen Branche ab. Der Drogenmarkt etwa zeichnet sich durch eine „unflexible Nachfrage“ aus: Süchtige geben alles für den Stoff – Verbote treiben also die Preise hoch und fördern Beschaffungskriminalität. Legal würde es sich kaum lohnen, mit an sich billigen Substanzen wie Heroin zu handeln: Erst die Polizei sorge für ausreichende Gewinnmargen, die das Geschäft in Schwung bringen.

Anders funktioniert das horizontale Gewerbe. Das sei zwar auch „ein ausgesprochen stabiler Markt“, weil es aber entgegen verbreiteter Annahmen kaum Zwangsprostitution, sondern ein „Überangebot“ an motivierten Frauen gebe, könnten da die Kosten nicht auf die Kunden abgewälzt werden. Gut gemeinte Gesetze gegen Menschenhandel gingen daher oft voll zu Lasten der Prostituierten, erläutert der Zürcher Milieu-Anwalt: Für verstärkte Geheimhaltung und Absicherung müssten sie mit geringerem Verdienst, schlechteren Arbeitsbedingungen und größerer Abhängigkeit von Zuhältern bezahlen.

Im Normalfall vertragen sich Drogen- und Sex-Gewerbe nicht, hat Landmann beobachtet: „Der gewöhnliche Kunde auf dem gewöhnlichen Prostitutionsmarkt ist der gewöhnliche Bürger. Er bewegt sich ungern in Straßen, in denen Süchtige auf dem Gehsteig liegen.“ Geschäftsbewusste Zuhälter halten daher Junkies fern. In Zürich aber wurden in den 1980er Jahren zur Hebung der Sittlichkeit die Zuhälter verhaftet, was nicht schwierig war, da sich die einheimischen Kleingewerbler nicht um Tarnung bemüht hatten. Umgehend wurden die Reviere von Drogendealern erobert. Der Bedarf nach käuflicher Liebe blieb auch nicht lange unbefriedigt: Illegale Ausländer, auf kurzfristige Profitmaximierung aus, störte die Nähe zur Drogenszene nicht; dank guter Organisation erschlossen sie sogar Synergieeffekte. Kurz: Die Behörden hatten ein davor „relativ harmloses Biotop zum Kippen gebracht“ und eine Fusion von Sex-, Drogen- und Menschenhandel bewirkt. Gekrönt wurde das Desaster durch ein Verkaufsverbot für Einweg-Spritzen: Ihre Preise explodierten – und mit ihnen die Rate von Aids und Hepatitis.

Mittlerweile hat sich die Lage wieder entspannt. Wie in Deutschland wurde in der Schweiz die Prostitution entkriminalisiert, und seit in Zürich „Heroin an Süchtige faktisch frei und gratis abgegeben wird, werden die Empfänger immer älter und immer weniger straffällig. Gleichzeitig ist Heroin ein wenig aus der Mode gekommen.“ Landmann glaubt allerdings nicht, dass die Vernunft lange anhalten wird. Wenn der immense Drogenmarkt durch andere ökonomische Anreize wirklich „kaputtgemacht“ würde, wären die Folgen für die legale Welt zu gravierend: „Wie viele Institutionen verlören ihre Daseinsberechtigung? Wie ließen sich die Sozialpläne für arbeitslose Richter, Polizisten, Anwälte, Therapeuten und so weiter tragen?“

Martin Ebner


Buch:
Valentin Landmann: „Verbrechen als Markt. Zur Ökonomie der Halbwelt und der Unterwelt“, Orell Füssli Verlag, Zürich


Foto: Restaurant window in Dublin, Ireland. Now that I have your attention, would you please read the article? Restoracio en Dublin, Irlando. Sex sells: Restaurant in Dublin, Irland

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