Schwedischer Kreditzettel

Geld: berechenbares Mysterium

About: What is money? Example from my weekly column „100 x Smarter“, that run for two years in a newspaper in Stuttgart, Germany. The series was supposed to explain fundamental terms.
Pri: Kio estas mono? Ekzemplo por mia ĉiusemajna kolumno „100 x pli prudenta“, kiu aperis dum du jaroj kaj devis klarigi fundamentajn nociojn.
Published,
Aperis: Stuttgarter Nachrichten (†), 23.02.2008


Geld wird immer weniger greifbar

Im Alltag bereitet Geld kaum Probleme; entweder man hat welches oder man muss Pfandflaschen sammeln. Theoretiker aber zerbrechen sich die Köpfe: Was ist Geld? Einig ist man sich, dass Geld zumindest drei Funktionen erfüllt: Als Tauschmittel hält es arbeitsteilig organisierte Gesellschaften am Laufen, es dient der Wertaufbewahrung, und als Wertmaßstab macht es Waren und Dienstleistungen vergleichbar.

Erfüllen kann diese Aufgaben grundsätzlich alles, was einigermaßen haltbar, übertragbar, knapp und begehrt und von vergleichbarer Qualität ist. Im Laufe der Geschichte waren das zum Beispiel Kaurimuscheln, Kühe, Teeziegel, Äxte, Zigaretten oder Wodkaflaschen. Um 560 vor Christus ließ Krösus, ein König an der Westküste der Türkei, sein Wappen in kleine Edelmetall-Klumpen prägen: die ersten Münzen. Dabei entdeckte er auch den Seigniorage-Gewinn, den Unterschied zwischen Herstellungskosten und Nennwert des Geldes. Der wird noch größer, wenn man statt Münzen billige Banknoten ausgibt. Die ersten Experimente mit Papiergeld, etwa in China im Jahr 1024 oder in Frankreich nach 1789, gingen prompt schief: Die Regierungen brachten so viele Scheine in Umlauf, dass ihnen niemand mehr vertraute. Gibt es zu viel Geld und zu wenig Nachfrage dafür, nennt sich diese Geldentwertung Inflation (lateinisch: Aufblähen); der umgekehrte Fall heißt Deflation.

Zum Geldwert gibt es mindestens vier Theorien: Für den Metallismus ist das Geld so viel wert wie das verwendete Währungsmetall, dessen Wert wiederum von seinen Produktionskosten bestimmt wird. Seit 1999 die Schweiz die Golddeckung des Frankens abgeschafft hat, gibt es aber kein Land mehr, das seine Währung an Vorräte mühsam ausgebuddelter Metalle binden würde. Für den Nominalismus wird der Wert des Geldes einfach vom Staat festgelegt: 1 DDR-Mark = 1 D-Mark. Die Quantitätstheorie hält Schwankungen der Geldmenge oder der Umlaufgeschwindigkeit für entscheidend. Die heute vorherrschende Einkommenstheorie orientiert sich dagegen an Entstehung und Verwendung des Volkseinkommens: Den Wert des Geldes bestimmt seine Kaufkraft. Wenn Bierverkäufer Euros akzeptieren, dann sind Euros eben Geld.

Auf den Annahmezwang für gesetzliche Zahlungsmittel will man sich dabei nicht allein verlassen. Die Europäische Zentralbank EZB soll den Wert des Geldes sichern und mit verschiedenen geldpolitischen Maßnahmen, zum Beispiel durch Vorschriften für die Kreditvergabe der Geschäftsbanken, das jährliche Wachstum der Geldmenge auf 4,5 Prozent begrenzen. Dazu müsste man allerdings wissen, was genau Geld ist und wie viel davon zirkuliert. Ausgegeben wurden jedenfalls 74 Milliarden Münzen im Wert von 19 Milliarden Euro und 11,3 Milliarden Scheine im Wert von 637 Milliarden Euro. Zum Bargeld rechnet die EZB noch täglich fällige Sichtguthaben bei Geschäftsbanken (die so genannte Geldmenge M1) plus kurzfristige Spareinlagen (= M2) plus Wertpapiere bis 2 Jahre Laufzeit (= M3). Diesem Zentralbank-Geld machen zunehmend private Währungen Konkurrenz, etwa Tauschringe, Flugmeilen, Bonuspunkte oder Linden-Dollar im Internet. Auch als Computer-Signal bleibt Geld aber, was es immer schon war: Glaubenssache.

Martin Ebner

N.B. (21.02.2015): Manche US-Bestseller sind gar nicht so blöd:
„Rich dad went on to explain that the rich know that money is an illusion, truly like the carrot for the donkey. It’s only out of fear and greed that the illusion of money is held together by billions of people who believe that money is real. It’s not. Money is really made up. It is only because of the illusion of confidence and the ignorance of the masses that this house of cards stands.“ (from „Rich Dad Poor Dad“, by Robert T. Kiyosaki)

 

Foto: The first banknotes in Europe were printed in 1661 by Stockholm Banco (seen in the Sjöhistoriska museet in Stockholm, Sweden). Monbileto en muzeo de ŝipirado en Stockholm. Svedujo printis la unuajn monbiletojn en Eŭropo. Die „Kreditzettel“ der Stockholm Banco aus dem Jahr 1661 waren die ersten europäischen Banknoten (fotografiert im Seehistorischen Museum in Stockholm, Schweden).

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Texts of timeless beauty. Or at least some historical interest.