Arche Noah in Hohenems

Impressionisten in der Textilfabrik: Arche Noah

About: Private art and nature museum „Noah’s Ark“: hidden treasure in the industrial area of Hohenems, Austria.
Pri: Privata arta kaj natura muzeo „Arkeo de Noa“: kaŝita trezoro en la industria regiono de Hohenems, Aŭstrio.
Published, Aperis: Südkurier, 27.12.2023


In der von Touristen heimgesuchten Bodensee-Region gibt es nicht viele Geheimtipps. Das hier aber könnte einer sein: Im Industriegebiet von Hohenems ist ein exquisites privates Kunstmuseum zu entdecken.

Darf man ausgestopfte Wasserbüffel neben die Werke berühmter alter weißer Künstler stellen – und das dann „Arche Noah“ nennen? Betuchte Privatsammler können ihre Leidenschaften ausleben; sie brauchen sich nicht groß um Kritiker, Zeitgeist oder sonst irgendetwas scheren. Außerdem hängen die Gemälde gar nicht direkt bei den Tierpräparaten: In der neuen Ausstellung in Hohenems sind die Teile „Kunst“ und „Natur“ in verschiedenen Hallen untergebracht.

Im Industriegebiet des kleinen Vorarlberger Städtchens ist 2019 ein Museum gelandet, auf das Metropolen stolz sein könnten. Allerdings hat das bislang noch kaum jemand mitbekommen: Bald nach der Eröffnung kam die Corona-Schließung. Anfangs waren die Kostbarkeiten auch nur nach Voranmeldung zu besichtigen, und der Eintrittspreis von 40 Euro war nicht unbedingt attraktiv. Jetzt wird an zwei Nachmittagen pro Woche die Allgemeinheit eingelassen; Erwachsene für erschwinglichere 10 Euro, Jugendliche die Hälfte. Die „Arche Noah“ hat aber immer noch ein „intimes Führungskonzept“ und macht kaum Werbung.

Eigentlich hatte der Textilfabrikant Hans Bäumler ein eigenes Museum am Donau-Ufer in Ingolstadt geplant. Obwohl sich Ministerpräsident Horst Seehofer, ebenfalls ein Ingolstädter, dafür stark machte, wurde daraus nichts. In Wallgau beim Walchensee, wo Bäumler heute meist lebt, scheiterte das Projekt dann am Einspruch eines Hotels, das seine Aussicht nicht „durch ein sinnloses Gebäude verbauen“ lassen wollte. Mit einem Münchner Kunsthändler, der als Gründungsdirektor vorgesehen war, führte Bäumler einen spektakulären Betrugsprozess. Nach jahrelangem Hin und Her ließ er schließlich die zweite Etage einer ehemaligen Textilfabrik in Hohenems für seine Sammlung umbauen. Wo in den 1980er Jahren, der Blütezeit des Bäumler-Imperiums, Jacken für Montana und andere Herrenmode-Labels genäht wurden, ist jetzt eine Kunstgalerie mit schwarzen Wänden als Schatzkammer inszeniert.

Der Kurator Tobias Natter, ehemaliger Leiter des Wiener Leopold-Museums, gruppierte 107 Gemälde zu drei Schwerpunkten: Den Auftakt machen Biedermeier-Maler und Vertreter der „Münchner Schule“, darunter allein 18 Werke von Carl Spitzweg. Im Zentrum der Ausstellung hängen französische und deutsche Impressionisten. Das erklärte Lieblingsbild von Bäumler ist „Mademoiselle Marthe le Coeur“, anno 1873 porträtiert von Pierre-Auguste Renoir. Daran schließen sich Franz Marc und andere deutsche Expressionisten an. Der Parcours durch 130 Jahre Kunstgeschichte endet mit einem Stillleben von Pablo Picasso aus dem Jahr 1946.

Vor dem Eingang der „Arche Noah“ hat „Loop“ eine neue Heimat gefunden, eine riesige, 15 Meter hohe Plastik, die das Künstlerduo Bildstein/Glatz aus Kreuzlingen und Wien ursprünglich für die Kartause Ittingen geschaffen hat. Ein kleinerer Raum für Wechselausstellungen präsentiert noch bis 9. Dezember Holzskulpturen von Alfred Haberpointner. Die Natur-Abteilung zeigt Mineralien und Fossilien, Schmetterlinge und Vögel, besonders aber Jagdtrophäen, die Hans Bäumler in Sibirien, Afrika und dem eigenen Forst erlegt hat. Bäumler, Jahrgang 1939, beklagt heute in Kunst wie Natur „eine gewisse Verarmung“. In seinem Museum „sollen die Generationen nach uns sehen, was einmal auf der Erde gelebt hat“.

Martin Ebner

Link (last update: 30.03.2026):
Die „Arche Noah – Sammlung Kunst & Natur“ in Hohenems (Markus-Sittikus-Straße 20, nahe Autobahn-Abfahrt und Zoll Diepoldsau, Haltestelle Hohenems-Cineplexx) ist (meistens) an Freitagen von 11 bis 18 Uhr, an Samstagen von 11 bis 17 Uhr und an Sonntagen von 11 bis 16 Uhr geöffnet: sammlung-hans-baeumler.at/

Jagdtrophäen in der Arche Noah
Jagdtrophäen in der Arche Noah

Spitzweg auf Reisen

Nicht nur die Eröffnung, auch die Schließung von Ausstellungen spricht sich manchmal nur langsam herum. „Werke des Malers Carl Spitzweg (1808 – 1885) werden in einem stilvollen Kabinett ausgestellt“, weiß Alemannische-Seiten.de über das Stadtmuseum Radolfzell. Auch für Wikipedia und diverse Reiseführer sind vordergründig-idyllische Bilder aus der Biedermeier-Zeit immer noch eine Radolfzeller Sehenswürdigkeit. In Wirklichkeit gibt es dort das „Spitzweg-Kabinett“ schon seit 2016 nicht mehr: Weil ihr die Besucherzahlen zu gering, die Versicherungskosten zu hoch waren, kündigte die Stadt Radolfzell einen Tauschvertrag, der eigentlich bis 2033 hätte laufen sollen: 14 Gemälde und 108 Grafiken wurden an den Kunstsammler Werner Ott retourniert; im Gegenzug bekommt die Stadt heuer das „Sernatinger Haus“ am Mettnau-Eingang zurück. Ott hat seine Sammlung nun dem Stadtmuseum Ingolstadt überlassen. Das Gemälde „Ständchen im Mondschein“, früher eine Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland an Radolfzell, ist jetzt dem Kunstmuseum Dortmund anvertraut. -Spitzweg hätte es wahrscheinlich gefreut, dass seine Bilder so herumkommen: Er hat zwar gerne kauzige Sonderlinge in verschlafenen Kleinstädten gemalt; selbst aber war der Münchner Künstler wohlhabend, reiselustig und zeitlebens fast ständig unterwegs.


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Foto: Museum „Arche Noah“ in Hohenems, Austria. Muzeo „Arche Noah“ en Hohenems, Aŭstrio. Bäumler-Park in Hohenems, Österreich.

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Texts of timeless beauty. Or at least some historical interest.